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Von Paderborn nach New York: Meine Erfahrungen mit PaderMUN bei NMUN 2026

Im Folgenden berichtet Alessia Bartzik von ihren Erfahrungen bei PaderMUN, einer Initiative an der Universität Paderborn, in der sie sich neben ihrem Studium eingebracht hat.

Model United Nations Konferenzen ermöglichen Studierenden, internationale Politik nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern selbst in die Rolle von Diplomat:innen zu schlüpfen. Die National Model United Nations Conference in New York gilt als die weltweit größte, älteste und renommierteste universitäre MUN-Konferenz und bringt jedes Jahr mehrere tausend Studierende aus weit über 120 Ländern zusammen. Im Frühjahr 2026 durfte ich genau diese Erfahrung machen: Gemeinsam mit der 20. Delegation von PaderMUN reiste ich in die USA, um an der National Model United Nations Conference 2026 in New York teilzunehmen. Mit dabei waren auch drei weitere Studierende der Europäischen Studien.

Schon der Gedanke, von Paderborn aus nach New York zu reisen, um dort an einer internationalen UN-Simulation teilzunehmen, war für mich besonders. Was an der Universität mit Vorbereitungstreffen, Recherchen, Länderpositionen und ersten Reden begann, wurde vor Ort plötzlich greifbar. Aus Diskussionen im Seminarraum wurden Verhandlungen mit Studierenden aus der ganzen Welt; aus theoretischem Wissen wurde diplomatische Praxis.

Bevor die eigentliche Konferenz in New York begann, führte uns die Reise zunächst nach Washington, D.C. Nach der langen Anreise erwartete uns dort ein intensives politisches und kulturelles Programm. Wir besuchten unter anderem das Lincoln Memorial, das Martin Luther King, Jr. Memorial, das Vietnam Veterans Memorial, das Korean War Veterans Memorial sowie den Arlington National Cemetery. Auch das Kapitol und verschiedene Smithsonian Museen standen auf dem Programm.

Besonders eindrucksvoll war für mich, wie präsent Geschichte in Washington ist. Die Memorials sind nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern Orte, an denen politische Geschichte, nationale Identität und Erinnerungskultur spürbar werden. Gerade das Zusammenspiel aus historischen Orten, politischen Institutionen und gesellschaftlichen Debatten hat mir gezeigt, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind. Für uns als Studierende der Europäischen Studien war das auch deshalb spannend, weil sich immer wieder Vergleichsperspektiven eröffneten: Wie erinnern Gesellschaften an Kriege, Bürgerrechtsbewegungen oder politische Führungspersönlichkeiten? Und welche Rolle spielt Erinnerungskultur für das Selbstverständnis eines Landes?

Mit vielen Eindrücken im Gepäck ging es anschließend weiter nach New York. Dort begann die eigentliche NMUN-Konferenz, bei der unsere Delegation in diesem Jahr Nordmazedonien vertrat. Nordmazedonien ist ein kleiner Balkanstaat, der bereits seit vielen Jahren EU-Beitrittskandidat ist und damit auch aus europäischer Perspektive besonders interessant war. In verschiedenen Komitees vertraten wir die politischen Positionen des Landes und versuchten, diese möglichst realistisch in die Verhandlungen einzubringen.

Ich selbst war Teil des Second Committee der General Assembly, kurz GA2, das sich mit wirtschaftlichen und finanziellen Fragen beschäftigt. Unser Thema lautete „Strengthening Global Supply Chains to Promote Food Security“. Dabei ging es unter anderem darum, wie globale Lieferketten widerstandsfähiger gestaltet werden können, um Ernährungssicherheit weltweit besser zu gewährleisten. In meiner Rolle als Delegierte hielt ich Reden, verhandelte mit anderen Ländervertreter:innen, suchte nach gemeinsamen Interessen und arbeitete an Working Papers sowie Resolutionsentwürfen mit, selbstverständlich alles auf Englisch.

Dabei wurde schnell deutlich, dass diplomatische Arbeit viel mehr erfordert als reine Fachkenntnisse. Natürlich ist es wichtig, die Position des eigenen Landes zu kennen. Genauso entscheidend ist aber, aufmerksam zuzuhören, Kompromisse zu finden, strategisch zu verhandeln und die eigene Position überzeugend zu vertreten. Besonders spannend fand ich, wie dynamisch die Verhandlungen waren: Innerhalb weniger Tage entstanden aus ersten Gesprächen konkrete Resolutionen, an denen viele Delegierte gemeinsam arbeiteten. Auch persönlich war die Konferenz eine intensive Erfahrung. Die Tage waren lang, die Diskussionen anspruchsvoll und die Eindrücke zahlreich. Gleichzeitig war es sehr motivierend, mit so vielen engagierten jungen Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenzukommen. Obwohl NMUN eine Simulation ist, fühlte sich vieles erstaunlich nah an realer internationaler Politik an. Man merkt, wie wichtig Kommunikation, Verantwortung und Zusammenarbeit sind, wenn globale Herausforderungen gelöst werden sollen. Bereits bei der Opening Ceremony betonte Farrukh Khan vom International Peace Institute, ehemaliger UN Senior Leader und Mitglied des pakistanischen diplomatischen Corps, wie zentral durchdachte und respektvolle Kommunikation für eine funktionierende UN ist. Dieser Gedanke begleitete mich durch die gesamte Konferenz.

Text und Redaktion: Alessia Bartzik