DFG-Präsidentin Birgit Kelliger im Interview

“An diesem Tag macht man sich bewusst, dass die deutsch-französische Freundschaft keine Selbstverständlichkeit ist”

Anlässlich des “Dîner Amical”, das am 22. Januar 2022 zur Erinnerung an die Unterzeichnung des Elysée Vertrags 1963 stattfand, hat das Rahel die Präsidentin der Paderborner Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) Birgit Kelliger interviewt. Ein Gespräch über ihren Werdegang, die Arbeit der DFG und die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen.

 

Frau Kelliger, Sie sind die Präsidentin der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) oder auch Société franco-allemande (SFA) in Paderborn. Viele unserer Leser:innen würde sicher interessieren, wie man zur Präsidentin der DFG wird. Wie sind sie dort hingekommen, wo sie jetzt sind?

Kelliger: Als Französischlehrerin habe ich immer schon viele Veranstaltungen der DFG besucht und bin dann auch schnell Mitglied geworden. Seit 2006 habe ich im Vorstand mitgearbeitet. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Als unsere langjährige Vorsitzende und jetzige Ehrenpräsidentin Maria Lis im Jahr 2016 aufhörte, wurde ich von den Mitgliedern zur Vorsitzenden gewählt. Wir haben einen sehr engagierten Vorstand, mit dem das Arbeiten viel Freude macht.

Was gehört zu den Aufgaben und Tätigkeitsbereichen der DFG?

Kelliger: Die Deutsch-Französische Gesellschaft Paderborn e.V. unterstützt alle Initiativen, die der deutsch-französischen Verständigung dienen. Sie fördert die Verbreitung der französischen Sprache und Kultur durch die Veranstaltung von Vorträgen, Konzerten, Kino, Chansonabenden, Studienfahrten und Begegnungen geselliger Art. Daneben pflegt die DFG vielseitige Kontakte zur Partnerstadt Le Mans. Ein wichtiges Anliegen sind auch die Förderung der französischen Sprache in den Schulen. Die DFG veranstaltet Lesewettbewerbe und in Zusammenarbeit mit dem Kino die Reihe “Cinéfête”.

Eines der Hauptziele der DFG ist es, deutsch-französischen Austausch zu fördern, besonders auf Grundlage der lang bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Le Mans und Paderborn. Wie setzten Sie dieses Ziel mit Ihren Projekten konkret um?

Kelliger: Zum einen fördern wir den deutsch-französischen Austausch durch unsere Veranstaltungen, in denen wir den Teilnehmern die französische Sprache und Kultur näherbringen.

Zum anderen pflegen wir als Verein enge Kontakte zu unserer Partnerstadt. Jedes Jahr (in diesem Jahr zum 13. Mal) sind wir an einem Wochenende auf dem Weihnachsmarkt in Le Mans vertreten und zeigen deutsche Advents- und Weihnachtskultur. Bei den Gesprächen am Stand auf dem Weihnachtsmarkt merken wir immer wieder, wie intensiv und freundschaftlich die Beziehungen zwischen unseren Partnerstädten sind.

Es ist schön, dass die Studierenden des Studiengangs “Études europénnes” auf dem Weihnachtsmarkt mithelfen. Auch sonst pflegen wir enge Kontakte zur Romanistik der Universität Paderborn.

Zu Libori kommt regelmäßig eine Delegation aus Le Mans zu Besuch, die wir von der DFG aus begleiten und betreuen.

Schließlich gibt es auch in der DFG und im Vorstand einige Mitglieder, die aus Le Mans oder Umgebung kommen und in Paderborn leben. Sie sind natürlich die ersten Ansprechpartner für die Kontakte mit der Partnerstadt.

Anlässlich des 59. Jubiläums des Elysée Vertrags kam die Deutsch-Französische Gesellschaft am 22. Januar 2022 zu einem festlichen “Dîner amical” zusammen. Welche Bedeutung für die deutsch-französischen Beziehungen würden sie diesem zuschreiben?

Kelliger: Das “Dîner amical” ermöglicht den Mitgliedern und Gästen, sich zu Beginn des Jahres am Deutsch-Französischen Tag zu treffen und die deutsch-französische Freundschaft in einem festlichen Rahmen zu feiern. An diesem Tag macht man sich bewusst, dass die deutsch-französische Freundschaft keine Selbstverständlichkeit ist. Die Unterzeichnung des Elysée-Vertrags vom 22. Januar 1963 hat diese Freundschaft nur wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges besiegelt und bis heute auch die Entwicklung Europas maßgeblich mitbestimmt.

Den Studiengang der Europäischen Studien gäbe es wohl ohne die DFG und ihr Engagement nicht. Was genau symbolisiert für Sie dieser Studiengang, der Studierende aus Le Mans und Paderborn in das jeweilige Nachbarland schickt?

Kelliger: Es ist richtig, dass wir als DFG eng mit der Universität Paderborn zusammenarbeiten und besonders auch mit dem Studiengang der “Études européennes”. Wir freuen uns sehr, dass es in Deutschland und in Frankreich immer wieder junge Menschen gibt, die die Sprache des anderen Landes erlernen und sich für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Partnerländern einsetzen. Es ist eine große Chance, einen Teil des Studiums in der Partnerstadt verbringen zu dürfen und Kontakt mit den Studierenden vor Ort aufnehmen zu können. Nur so kann man die Sprache und das Land wirklich kennenlernen.

Mit der andauernden Corona-Pandemie kommen neue Herausforderungen, die sich die EU und auch Deutschland und Frankreich gemeinsam stellen müssen. Inwiefern können die deutsch-französischen Beziehungen, und genauer die Stärkung dieser Beziehungen auf lokaler Ebene durch die DFG, einen Beitrag zur Bewältigung dieser neuen Aufgaben leisten?

Kelliger: Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten. Grenzschließungen wie zu Beginn der Pandemie können nicht Ziel sein. Es genug Beispiele dafür, dass die Länder sich gegenseitig helfen, wie bei der Aufnahme von Patienten oder anderen Absprachen.

Die DFG kann sicherlich nur im Kleinen zur Bewältigung der neuen Aufgaben beitragen. Vielleicht einfach dadurch, dass die engen Kontakte zu Frankreich auch in der Zeit der Pandemie gehalten werden, u.a. durch digitale Veranstaltungen, den Weihnachtsmarktbesuch und persönlichen Austausch. Wichtig ist, dass die Menschen beider Länder sich auch in schwierigen Zeiten austauschen und sich näherkommen.

 

Interview und Redaktion: Rahel Schuchardt