Post aus Le Mans

Ist der französische Käse wirklich so gut, wie immer behauptet wird? Wie fühlt man sich als Deutsche zum ersten Mal an einer französischen Universität ? Ist an der romantischen Vorstellung des “Vie à la francaise” wirklich etwas dran? Unsere Kolumnistin Jule Barmwater, selbst Studentin der Europäischen Studien im 4. Semester, schreibt in ihrer Kolumne “Post aus Le Mans” über ihr Leben als Deutsche in der Partnerstadt Paderborns, mit genau der richtigen Prise Witz und Poesie.

Von Pâtisserie und Vorurteilen

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Ich bin eigentlich kein Kuchenmensch. Einen Umstand, den meine Schwester jedes Jahr aufs Neue beklagt, wenn sie mir einen Geburtstagskuchen backen möchte. Es gibt einfach sehr wenige Kuchen, die ich mag.

Deswegen freute ich mich auch mehr auf Baguette und Käse in Frankreich als auf tartes und gâteaux. Außerdem bin ich ein Gewohnheitstier, zumindest was das Essen angeht. So oft wage ich mich nicht an kulinarische Neuheiten heran. Manchmal muss man aber einfach ins kalte Wasser geworfen werden und sich trauen. Denn was ich noch weniger mag als Kuchen, ist es, unhöflich zu sein und Essen abzulehnen, wenn ich irgendwo zu Besuch bin.

An einem Mittwochnachmittag sitze ich also im Wohnzimmer meiner Nachhilfeschülerin und warte darauf, dass sie mit ihrer Überraschung für mich aus der Küche zurückkommt. Schließlich kommt sie strahlend mit einer Packung Eclairs zurück und legt mir einen auf den Teller. Ich bekomme nur ein langgezogenes “Merciiiiii!” heraus und überlege mir schon eine Ausrede, um das Gebäck nicht essen zu müssen. Dann reiße ich mich aber zusammen und denke mir: Ein Auslandsjahr sollte nicht nur kulturell und intellektuell eine Herausforderung sein, sondern auch kulinarisch. Ich schneide mir ein kleines Stückchen des Eclairs ab und beiße vorsichtig hinein. Und was soll ich sagen: Er war délicieux! Es war als hätte ich in eine Wolke aus Brandteig und Mousse au Chocolat gebissen. Der Teig sorgte dafür, dass die Schokolade nicht zu süß war. Ich hatte eine neue Liebe hier in Frankreich gefunden. Am liebsten würde ich jeden Tag einen verputzen. Ich möchte allerdings lieber gar nicht wissen, was dann aus meinen Jeanshosen werden würde. Aber wie steht es hier an einem Fenster in einem Café in Le Mans geschrieben: „Ici on ne grossit pas. La maison vous garantit juste de jolies formes. “, was übersetzt so viel heißt wie : « Hier wird man nicht dick. Unser Geschäft verspricht Ihnen nur schöne Kurven.“

 

Über die Gastautorin 

Jule Barmwater besucht nach ihrem Abitur ein halbes Jahr eine internationale Sprachschule in Nizza und beginnt im September 2020 ihr Studium “Europäische Studien/Études Européennes” in Paderborn. Seit September 2021 absolviert Jule ihr Auslandsjahr an der Partneruniversität in Le Mans, Frankreich. Schon als Kind entdeckt Jule ihre Liebe zum Schreiben, und verschenkt Geschichten und Poesie zu allen möglichen Anlässen. 

 

Redaktion, Bild und Layout: Louisa Schmeiduch, Rahel Schuchardt